Kinder brauchen DisziplinKinder brauchen Disziplin



Kategorie: Erziehung >>>
200706Mo.Aug
E ine der Hauptursachen von psychischen Defekten unseres Nachwuchses ist die Disziplinlosigkeit. Denn Kinder brauchen Disziplin.

Vor meinem geistigen Auge erscheinen die alten Deppen von vor über 40 Jahren, die mit erhobenem Zeigefinger und voller Überzeugung daherbrabbelten, dass ein paar Schläge noch nie jemanden etwas geschadet hätten und dass aus ihnen schließlich auch etwas geworden wäre. Gefolgt von stolzen Monologen über die Härte und Häufigkeit ihrer Bestrafungen.

Diese ehemals armen Kinder liegen falsch. Es ist nicht die eigene Disziplin, die Kinder brauchen:


Es ist unsere Disziplin, die Disziplin der Erziehungsberechtigten.

Die Erziehungsberechtigten geben den Rahmen vor, innerhalb dessen der Nachwuchs, welcher so disziplinlos sein darf und soll, wie er möchte, sich austoben und lernen kann.

Vielleicht ist jetzt schon klarer, in welche Richtung dieser Artikel zielt. Es geht keinsfalls da drum, die Kinder zu disziplinieren. Im Gegenteil.
Die Erziehungsberechtigten sind das Ziel.

Zunächst möchte ich ein paar Beispiele für disziplinloses Verhalten von Elternteilen anführen, um das Problem weiter klarzustellen:

  • Nicht eingehaltene Versprechen
    Ein recht häufiges Fehlverhalten gegenüber kleinen Kindern ist das Versprechen von irgendwelchen Dingen, wie z. B. "Darf am Abend noch diesen Film gucken", "Bekommt an der Raststätte ein Eis", "Mama liest noch was vor". Wenn dann die Zeit reif ist für die Einhaltung für das Versprechen, dann wird es gebrochen: Das Kind hat es anscheinend vergessen, darum muss es nicht eingehalten werden.
    So wird der Film nicht geguckt, weil "Aber jetzt ist es doch viel zu spät! Das machen wir morgen!", das Kind ist im Auto eingeschlafen und deshalb wird an der Raststätte vorbeigefahren, oder das Vorlesen fällt letztendlich aus anderen, vorgeblich wichtigen Gründen aus.

  • Haltlosigkeit
    Erziehungsberechtigte, die "austicken", cholerisch reagieren, sind tatsächlich haltlos. Es sind tickende Bomben und entsicherte Handgranaten, denen man nicht zu nahe kommen darf. Hier ist es egal, ob sich die Gewalt gegen den Nachwuchs oder gegen andere Familienmitglieder richtet. Solche Leute übertragen ihre eigene Lebensangst mitsamt der heftigen Überreaktion bei unvorhergesehenen Vorkommnissen auf den Nachwuchs.

  • Suchtverhalten
    Erziehungsberechtigte, die vor den Augen ihrer Kinder ihre Sucht befriedigen, erzeugen einen unsicheren Rahmen. Letztlich besteht eine hohe Chance, dass der Nachwuchs ebenso aus dem "Hier und Jetzt" flieht wie das Vorbild.

  • Leere Drohungen
    Die Hälfte der Erziehung besteht aus Erpressung und zähen Verhandlungen. Man versucht die Kinder zu packen - mit Angeboten und mit drohenden Strafmaßnahmen, allen voran das oft genutzte Fernsehverbot. Wir alle wissen, dass wir es nicht zu oft als drohende Strafmaßnahme benutzen sollten, weil sonst dem Fernsehen eine zu große Bedeutung beigemessen würde. Aber was solls: Es hilft oft und kann einigermaßen gut eingehalten werden.

    Eine sehr schöne, leere Drohung habe ich selbst miterleben dürfen, beispielhaft für viele andere:

    Die Familie begibt sich geschlossen zur Oma, die ein Dorf weiter wohnt. Oma hat eingeladen. Das Kind (4) möchte die Jacke nicht anziehen. Nach heftigem Theater droht die Mutter: "Zieh jetzt sofort die Jacke an, oder wir nehmen dich nicht mit!"

    Meine Devise: Wenn schon drohen, dann mit etwas, das tatsächlich durchführbar ist. Und das angenehme Seiten für den Drohenden beinhaltet. So drohe ich gerne mit dem "Vorleseentzug" vorm Schlafengehen, was mir etwa 15-20 Minuten mehr Freizeit am Abend verschaffen kann.

  • Unordnung
    Kinder erzeugen zwar Unordnung, aber sie mögen sie nicht wirklich. Die Klarheit eines aufgeräumten Raumes spricht sie an, allerdings sind sie selten in der Lage, diese Klarheit selbst ohne fremde Hilfe (elterliche Hilfe) wieder herzustellen. Die Unordnung entsteht quasi unabsichtlich. Wenn nun der gesamte Rest der Wohnung ebenfalls dauerhaft unordentlich bleibt, dann fehlt dem Kind etwas Wesentliches und Schönes:
    Die Erfahrung von Klarheit.


Was ist die Disziplin, die es braucht?
  • Es ist das Einhalten von Versprechungen.
  • Es ist ein Verhalten, das Vertrauen schafft, weil das Kind weiß, dass es mit ALLEM zu uns kommen darf.
  • Es ist Ehrlichkeit.
  • Es ist das grundsätzliche Einhalten von Drohungen.
  • Es ist Ordentlichkeit: Immer und immer wieder werden wir Alten das Kinzerzimmer aufräumen...


Es hat keinen Sinn, unsere Kinder zu erziehen.
Sie machen uns eh' alles nach.



Dieser Satz ist nicht von mir, aber trifft den Kern der Sache: Das Vorleben von Disziplinlosigkeit wird neue, disziplinlose Eltern erzeugen. Denn die Kinder von heute sind die Eltern von morgen. Sie tanken unser Energiemuster und werden wie wir - egal was wir aus ihnen machen wollen und egal wie sehr sie uns dafür hassen.

Die Frage "Was ist Liebe?" bleibt nach wie vor ein Mysterium. Aber ganz sicher ist, dass die Disziplin der Eltern, die einem Kind Rahmen, Halt und Sicherheit in dieser Welt gibt, ein Akt der Liebe ist. Diese Disziplin muss jeden Tag aufs Neue gegeben werden. Es ist nichts, dass einfach "Ist", es muss ständig neu erschaffen werden.

Und das ist dann auch die sogenannte "Erziehung", die es nicht wirklich gibt. Kinder sind keine Hunde, die man erzieht. Es sind Menschen, mit denen man zusammenlebt. Es sind die Menschen, die irgendwann die Verantwortung für uns übernehmen müssen, wenn wir nicht mehr "richtig ticken". Es sind die Menschen, die uns nicht zuhören wollen oder können, aber die uns mit Haut und Haar "einatmen" und die so werden wie wir.

Also dann: Strengen wir uns an!

Peter Klauer

200706Mo.Aug
Letzte Änderungen

Kommentare: 1 Einen Kommentar hinzufügen
KikiFirst entered on: 2013-05-30 22:53:47
Ein toller Text! Sehr ehrlich. Hört auf euer Herz und bauchgefühl...

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